Nostalgie kam auf als erste Reaktion. Für kurze (ja eigentlich extrem kurze)
Zeit gab es an vielen Ecken des Netzes Nachrufe auf einen Mann mit dessen
Erfindung wir alle irgendwo in Berührung kommen. Leider waren es Nachrufe, denn
er ist tot.
Am 14. April 2000 wurde Phil Katz tot in seinem Zimmer in einem Motel in
Milwaukee aufgefunden. Laut den Presseberichten erlag er dort dem Alkohol. Es
scheint, dass PK von seinem Erfolg gefressen wurde.
Erstaunlich schnell sind die Nachrufe wieder verhallt. Das Netz ist
zurückgekehrt zu Business as usual. Intermann hält sich nur kurz mit solchen
Irritationen auf. Hauptsache PKZIP läuft weiterhin wie geschmiert. Reflektionen
könnten ja dazu führen, den eigenen Zug zum Erfolg zu untergraben. Oder?
Dabei ist am 14. April 2000 ein kleines Stück Geschichte der Netze
gestorben.
Jeder, der noch irgendwo ein PK361.EXE herumliegen hat, sollte in dieses
Archiv hineinschauen und sich die Datei RELEASE.DOC zu Gemüte führen. Dort ist
von dieser Geschichte zu lesen (allerdings nur in Englisch).
Da steht von einer Auseinandersetzung, einer Shareware litigation zwischen Phillip W. Katz
und System Enhancement Associates, Inc. (SEA), die mit 1. August 1988 gütlich
beigelegt wurde. Aus meiner Sicht war diese Auseinandersetzung der Ausgangspunkt
für den Erfolg von Phil Katz. Er hatte es sozusagen gewagt, besser zu sein als
SEA. Und SEA hatte sich halt juristisch abgesichert.
Aber wer kennt heute noch SEA? Oder vielleicht ARC? ZIP ist da schon viel
mehr bekannt.
Jedenfalls gab es da das Komprimierungsformat ARC. Das heißt eigentlich war
es ja nicht nur die Komprimierung, sondern auch ein Archivsystem. Und das
gehörte SEA. Aber Phil Katz schaffte es, mit seinem PKARC besser zu sein, als
das Original ARC selbst. Die Rechte lagen aber eben bei SEA. Die
Streitereien waren unumgänglich. Bis zu jener Einigung, die sogar in dem
(mittlerweile umbenannten) PKPAK beigefügt wurde.
Phil Katz war das aber offensichtlich zu wenig. Er schaffte es, diese Konzept
des komprimierenden Archivs weiter zu verbessern und neu zu erfinden. Es
entstand das neue Format ZIP und das zugehörigen Programm-Paket PKZIP. Die
größte Leistung bestand aber darin, dass Phil Katz das Format (nicht die
Programme) als Public Domain erklärte. Jeder hatte Zugang zu diesem Format und
konnte es ungestraft verwenden. Daraus entstanden eine Reihe von Tools, die auf
diesem Format aufsetzen. Auch Tools, die selbst wieder kostenlos sind.
Den diversen Artikeln zu seinem Tod war zu entnehmen, dass diese Freigabe dem
wirtschaftlichen Erfolg von Phil Katz keinen Abbruch tat. Es dürfte ihm
diesbezüglich sehr gut gegangen sein.
Dem Menschen Phil Katz ging es wohl nicht so gut.
Jetzt hat er seinen Frieden gefunden. Ruhe in Ewigkeit.